ehemalige "Betz'sche Gastwirtschaft"

Ismaninger Straße 105

 

In Bogenhausen, an der Landstraße nach Ismaning, stand auf dem Areal zwischen heutiger Händel- und Törringstraße bis in die frühen 1920er-Jahre die berühmte Gastwirtschaft Betz. Benannt war sie nach ihren Besitzern, Anna und Lorenz Betz, Gastwirtsehepaar von 1902 bis 1912. Schon seit der Biedermeierzeit (Tafernwirt Anton Grünwald, Bogenhausen Hausnummer 1) war dies ein beliebter Ausflugsort der Münchner, war es doch hier am Stadtrand im hiesigen Wirtsgarten aufgrund der niedrigeren Steuern für den Bierausschank um einiges billiger den Durst zu stillen, als in der Hauptstadt, für den Hunger gab es eine Hühnerbraterei. Hier fanden alljährlich zur Faschingszeit rauschende Bälle statt und in der wärmeren Jahreszeit wurde in den Mai getanzt und Sommerfeste veranstaltet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als besondere Attraktion im Betz'schen Wirtsgarten galt ein Karussell, das um 1820 in einem feststehenden, schindelgedeckten zwölfeckigen Holzpavillon aufgestellt wurde. Es bestand aus einer ebenerdigen Plattform mit fünf Holzpferden, die Kutschen zogen, Dromedar, Steinbock und Widder, die von einem darunter liegenden Keller aus von Hand angeschoben wurde. Nach Abriss des Karussellbaus um 1920 kamen Figuren und Wagen ins Münchner Stadtmuseum. Soweit dort bekannt, handelt es sich um die weltweit ältesten erhaltenen Teile eines volkstümlichen Karussells. Auch einen offenen Tanzpavillon hat es hier bereits in der Biedermeierzeit gegeben. Er ist ganz rechts im Gemälde "Schönen Bogenhauserin" von Georg Wilhelm Wanderer (18031863) zu sehen.

 

 

 

 

Ein weiteres Kleinod aus der ehemaligen Betz'schen Gastwirtschaft kann noch heute in Au bei Bad Aibling besichtigt werden: die Barockkrippe von Gastwirt Joachim Betz (1821–1892). Die Auer stellen die mit vier Bildern wechselnde Krippe jedes Jahr vom ersten Advent bis zum Aschermittwoch aus. Mehr zur Historie der Krippe

 

 

 

>> mehr zur Historie der Betz'schen Gastwirtschaft

>> zum Überblick "Gastswirtschaften" im Münchner Nordosten

 

 

 

Abbildungen von oben nach unten:

Die Tafernwirtschaft Gründwald an der Törringstraße. Aquarell um 1840, vermutlich vom russischen Maler Josef Puschkin. Links im Hintergrund das Wohnhaus des Direktors der königlichen Sternwarte.

Bogenhauser Tafernwirtschaft von Anton Gründwald (später Lorenz Betz), Hausnummer 1, an der Landstraße nach Ismaning, um 1840. Rechts verläuft die Törringstraße.

Postkarte "München. Tanzboden der Betz'schen Gastwirtschaft in Bogenhausen", Rückseite: Anlässlich der 41. Wanderversammlung des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine München 1912, Altmünchner Bauten, Serie II, Nr. 17.

Pferd und Wagen des Betz'schen Karussells, um 1900. Nach Auflassen der Wirtschaft 1921 wurden die Figuren an das Münchner Stadtmuseum gegeben. Fotoscan aus: Richard Bauer, Das alte München. Photographien 1855-1912. Gesa,,elt von Katl Valentin, München 1982.

Abbildung unten:

"Schöne Bogenhauserin", Kellnerin in der Grünwald-Betz'schen Wirtschaft, Gemälde von Georg Wilhelm Wanderer, um 1840. Im Hintergrund der Turm von St. Georg und die Frauenkirche (perspektivisch nicht korrekt).