
Nach der Eingemeindung Bogenhausens (1892) ziehen immer mehr "Betuchte" in das Viertel und es wird, diesem Umstand Rechnung tragend, 1899 bis 1900 vom Gastwirtsehepaar Anna und Lorenz Betz die alte Biedermeier-Gastwirtschaft abgerissen und an ihrer Stelle ein neuer, wohl mehr repräsentativer Bau errichtet. Architekt war Paul Pfann, ein Schüler von Friedrich von Thiersch und Paul Wallot. Zu seinen wichtigsten Werken zählt die Münchner Haupt in Sendling, der Sitz der königlich privilegierten Haupt-Schützengesellschaft.
Vom Wohlstand der beiden Wirtsleute zeugt auch ihr Immobilienbesitz in der Möhlstraße. Gleichzeitig mit dem Umbau der Gastwirtschaft lassen sie sich von Architekt Hans Seidl drei Villen in der vornehmen Möhlstraße errichten, auf Haus Nr. 12a, Haus Nr. 14 und Haus Nr. 16, die sie gleich nach ihrer Fertigstellung wieder verkaufen.



1912 mit dem Georgibrunnen
Ein St. Georgi-Brunnen, 1901 von Heinrich Düll und Georg Pezold, den Erbauern des Friedensengels, wohl im Zusammenhang mit dem Umbau der Wirtschaft geschaffen, steht noch heute im Hof des Eingangsbereichs der Togalwerke. Im Wirtshaus selbst gab es auch eine eigene sogenannte "Millionärs-Trinkstube", wo sich die "heiligen drei Könige von Bogenhausen", Bürgermeister Josef Selmayr, Ziegeleibesitzer und Gemeindeausschuss-mitglied Franz Kaffl und der Wirt Lorenz Betz, mit der übrigen Bogenhauser Prominenz zu treffen pflegte. Von der prunkvollen Ausstattung dieser Stube sind unter anderem sieben große Bildtafeln des Münchner Genremalers Franz Ringer erhalten, deren Motive Ausschnitte aus dem Alltagsleben von Bogenhausen und München wiedergeben können.

Die restaurierten Gemälde befanden sich bis März 2011 im Besitz der Firma Togal, an die im Jahr 1921 das gesamte Anwesen der Betz'schen Gastwirtschaft verkauft wurde. Das Gebäude selbst steht unter Denkmalschutz. Dann wechselten die 5100 Quadratmeter Togalwerk den Besitzer. Die Bayerische Hausbau – ein Unternehmen der Schörghuber-Gruppe – baut dort momentan 60 exklusive Wohnungen sowie auf 1500 Quadratmetern Büros. Damit verschwindet ein weiteres Stammgelände einer Münchner Traditionsfirma von der Bildfläche. Teilweise werden die alten Produktions- und Verwaltungsstätten zwischen der Ismaninger-, Törring- und Händelstraße abgerissen. Dazu gehören ein dreigeschossiges Fabrikationsgebäude, zwei Erweiterungsbauten und eine Garage. Der neubarocke Bau des ehemaligen Gasthauses, der unter Denkmalschutz steht, bleibt erhalten und wird renoviert. Auch der denkmalgeschützte Georgi-Brunnen im Innenhof bleibt erhalten, ebenso wie die historischen Mauerpfeiler an der Händel- und Ismaninger Straße. Für die künftigen Bewohner soll es einen ruhigen und begrünten Hof mit dem Brunnen als Mittelpunkt geben. Der Baubeginn ist Ende 2012, die Fertigstellung 2014 geplant.
Gasthaus und Restaurant von Lorenz Betz um 1900 / das ehemalige Togal-Werk 2010
aus der gleichen Sicht, von der Törringstraße aus gesehen
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Text: Willibald Karl (Hrsg.), "Bogenhausen. Vom bäuerlichen Pfarrdorf zum noblen Stadtteil", München 1992.
Historische Bildquellen: © Firma Togal, München
Grundriss "Betz'sche Gastwirtschaft": Buchscan aus: "Münchener bürgerliche Baukunst der Gegenwart.", Callwey Reprint der Originalausgabe von 1898–1909
historische Ansichtskarten der Gastwirtschaft aus den Jahren um 1900 und 1912 © privat
Mouse-Over-Bilder: historisches Foto Buchscan aus "Münchener bürgerliche Baukunst der Gegenwart.", Callwey Reprint und Togal-Werk 2007: © dietlind pedarnig