Prof. Sep Ruf (19081982)

 

Der in München geborene Franz Joseph ("Sep") Ruf studierte von 1927 bis 1931 an der Technischen Hochschule in München. Danach machte er sich selbstständig und führte zunächst mit seinem Bruder Franz (geboren 1909) und ab 1933 alleine ein Architekturbüro. In dieser Zeit entstand ein Wohnhaus des 23-Jährigen in Bogenhausen, das bereits die ganz eigene Handschrift von Sep Ruf aufzeigte: das Verschmelzen von modernen und traditionellen Bauelementen zu einem neuen Architekturstil. 1942 wurde Ruf an die Front berufen, im Mai 1945 schlug er sich zu Fuß von Russland nach Deutschland durch. Nach Kriegsende lehrte er an der Akademie in Nürnberg (1947 bis 1953), von 1953 bis 1972 wirkte er als Professor für Architektur und Städtebau an der Akademie der Bildenden Künste in München, der er 1957 bis 1960 auch als Präsident vorstand. Ruf war von 1962 bis 1967 Mitglied des Planungsrats für die Gestaltung des Regierungsviertels in Bonn, ehe er 1971 eine Bürogemeinschaft mit Alfred Goller, Helmut Mayer, Hanns Oberberger und Ludwig Thomeier gründete. Sep Ruf verstarb nach längerer Krankheit am 29. Juli 1982 in München.

 

Ruf zählt zu den bedeutendsten deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts. Er schuf öffentliche Gebäude und Privathäuser in ganz Deutschland, prägte aber vor allem das Stadtbild Münchens nach dem Zweiten Weltkrieg. Waren die von ihm entworfenen Gebäude in der Zeit davor noch geprägt vom damals favorisierten Stil mit Steildach und aus Backstein, erregte Ruf danach Aufsehen mit einigen provozierenden Projekten, bei denen die massiven Wände und steilen Dächer der traditionellen bayerischen Architektur auf ein Minimum reduziert waren. Er  entwickelte seinen eigenen Stil, der ihn bekannt machte: minimierte Konstruktion, transparente Wände und schlanke Dächer. Seine Gebäude wirken leicht im Erscheinungsbild und setzten einen Kontrapunkt zur traditionellen bayerischen Architektur. Insbesondere bei Bauten mit repräsentativer Funktion schuf Ruf durch die Wahl seiner Materialien und gezielte Transparenz eine deutliche Abgrenzung zur vorangegangenen deutschen Geschichte, aus deren Blut-und-Boden-Kult so unendlich viel Leid und Verbrechen erwachsen war. Kein leichtes Unterfangen in einer Stadt, die nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrem Wiederaufbauplan das "Bild des lieben alten München" wiederherstellen und moderne Bebauung  durch einen Straßenring abhalten wollte.

 

Sep Ruf wurde zum dominanten Münchener Architekt der 1950er und 1960er Jahre, blieb aber ein Außenseiter, der nur allzu oft in seiner Vaterstadt und ihrem konservativ-reaktionärem Umfeld mit seinen Werken aneckte. So etwa stieß die Planung der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Neuen Maxburg, einem Palais der Wittelsbacher aus dem 16. Jahrhundert, von Anfang an auf heftige Ablehnung. Als "Murxburg" betitelt und von den konservativen Kollegen benutzt um moderne Architektur zu diskreditieren, wird der architektonische Wert der Anlage bis heute nicht gesehen. 

 

 

 

Bauten im Münchner Nordosten:

Wohnhaus Dr. Karl Schwend (1931, abgerissen 1998, Delpstraße 15)

Wohnhaus (1934, Am Priel)

Wohnhaus Otto Meerwald (1935, Donaustraße 28, nahezu im Originalzustand erhalten))

Wohnhaus Brand (gebaut 1935, 1946 umgebaut, abgerissen 1999, Donaustraße 16)

Wohnhaus Dr. Holz (1936, Mühlbaurstraße 39, nahezu im Originalzustand erhalten)

Wohnhaus Elsa Almenröder (1948/49, Ebersberger Straße 17)

Wohnhaus und Geschäftshaus Hans Urban (1949, Ostpreußenstraße 27)

"Fries-Häuser", Wohnanlage mit Ladenpavillons,  (1955, Richard-Strauss-Straße / Barbarossastraße, Ladenpavillons 1993 abgerissen)

Plan eines Kinos (Richard-Strauss-Straße 56)

Kirche St. Johann von Capistran (1957 bis 1960, Gotthelfstraße 3, Eintrag in die Denkmalliste 1982)

Esso-Motor-Hotel (1969/70, Effnerstraße 99)

Bebauungsplan für Verwaltungseinrichtungen an der Hultschiner Straße (Zamdorf), 1971 bis 1978. Keines der Bauvorhaben wurde ausgeführt.

 

 

 

Literatur:

"Sep Ruf", hrsg. von Winfried Nerdinger, München 2008.