Wohnhaus Dr. Karl Schwend

Delpstraße 15

 

1932 bis 1933 baute der Münchner Architekt Sep Ruf, damals erst 23 Jahre jung und noch nicht der berühmte Architekt der er einmal werden sollte, für seinen Freund Karl Schwend in der damaligen Wasserburger Straße 15 ein Wohnhaus. Das Gebäude hob sich aus der damaligen Münchner Architekturlandschaft hervor und zeigte bereits deutlich alle Architekturelemente die Ruf Zeit seines Lebens wichtig waren. Ein schlichter weißer kubischer Baukörper mit einem flachgeneigten Dach zeigte zur Straßenseite eine über zwei Stockwerke laufende verglaste Maueröffnung, die Einblick bis unters Dach gab. Die daneben gesetzte Rundbogentür mit aufgesetzten Balkenköpfen fügte sich als traditionelles Bauelement harmonisch in das modernen Gesicht der Hausfront. Ruf schuf schon mit diesem frühen Wohnhaus eine neue Formensprache des Bauens, die sich - entgegen den Strömungen der Zeit - in allen seinen weiteren Bauwerken zeigen würde: das Verschmelzen von traditionellen und regionalen Elemente in eine moderne transparente Architektur im bewussten Dialog mit der Geschichte.

 

Die Bauten von Sep Ruf vor dem Zweiten Weltkrieg zeigen einen Weg der »süddeutschen Moderne« wie er auch bei den späteren Münchner Postbauten (Goetheplatz, Tegernseer Landstraße), bei Hans Döllgast und einigen wenigen anderen Architekten in den Zwanzigerjahren erkennbar ist. An ihnen kann abgelesen werden, wie sich die verspätet einsetzende Moderne in München eventuell weiterentwickelt hätte: keineswegs avantgardistisch, aber doch besser als das meiste, was nach dem Krieg dann gebaut wurde.

 

1945/46 wurde die Dachform des Hauses verändert und eine Garage angebaut, weitere Umbauten erfolgten 1953 und 1962 und entstellten das Haus vollkommen. 1998 wurde das Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

 

 

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Textquelle: Winfried Nerdinger (Hg.): Sep Ruf, München 2008.

Foto: Buchscan aus s.o.