
Villa Pschorr
Möhlstraße 23
Die stattliche malerische Jugendstil-Villa mit Turm wird 1907 bis 1908 von dem renommierten Architekten Emanuel von Seidl für den Kommerzienrat und Brauereibesitzer Georg Theodor Pschorr (Sohn von Josef Pschorr, dem Gründer der "Bierdynastie") und seine Frau Antonie erbaut. Sie steht auf einem 1.520 Quadratmeter großen Areal, dass die Auftraggeber 1903 für 100.000 Mark erworben haben.
Zur gleichen Zeit lässt sich sein älterer Bruder August Pschorr eine Villa in der Möhlstraße 2 errichten. Im Gegensatz zu diesem Bau aber macht die Villa in der Möhlstraße 23 mit der eigenwillig gewölbten Dachkonstruktion einen wuchtigen, beinahe trotzigen Eindruck. Der auffällige rote Buntsandsteinsockel streckt sich bis über das Hochparterre mit oval gewölbten Salonfenstern und flachem Erker in die Balkonbrüstung und die Fensterstürze der Beletage. Der angebaute Südturm mit flachem Rundhelm reicht über vier Stockwerke bis zur Firsthöhe - passend dazu am Ende der Einfahrt die Garage mit darüber liegender Chauffeurswohnung in Jugendstil, dem sogenannten "Kutscherhaus". Im Zentrum des Erdgeschosses dominiert eine große Halle, die als Musikzimmer genutzt wurde. Wie bei Villen dieser Zeit üblich, war das Personal im Dachgeschoss untergebracht hatte, aber - und das war wohl eher die Ausnahme - ein eigenes "Dienstbotenbad" und musste sich nicht in der Waschküche waschen.

Am 4. August 1945 nahm das "American Joint Distribution Committee" unter der Leitung von Eli Rock seine Arbeit in der geräumigen Villa auf. Das Komitee kümmerte sich bis 1957 um die Auswanderung der Juden, die überlebt hatten. Außerdem organisierte es deren Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten und kümmerte sich um ihre religiöse Betreuung.
1949 bis 1953 war hier die Bibliothek der "Monacensia" untergebracht. Die Villa war über die Pschorr-Tochter Elisabeth von Zwehl bis 1963 im Besitz der Familie des Erbauers, seit 1997 ist sie Eigentum des Landschaftsarchitekten Gottfried Hansjakob, der unter anderem die Wohnsiedlung "Cosimapark" in Englschalking ausgestaltet hat. Das Gebäude selbst steht unter Denkmalschutz.

>> zum Überblick "Brunnen" im Münchner Nordosten
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Textquellen:
Karl, Scola: "Die Möhlstraße", 2002
Weyerer, Benedikt: "München 1933 - 1949", 2006
Gribl, Dorle: "Prominenz in Bogenhausen", München 2009.
Fotos:
oben: die Südostfassade der Pschorr-Villa © dietlind pedarnig (2007)
Mitte: Blick auf Anwesen Möhlstraße 23, rechts zu sehen Villa Möhlstraße 25; hpt © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V.
unten: Wandbrunnen im Garten Möhlstraße 23; hpt © Verein für Stadtteilkultur im Münchner Nordosten e.V.