Villa Stauffenberg (Schreiber-Verlagshaus)

Möhlstraße 34

 

Das stattliche Eckhaus an der Höchlstraße / Möhlstraße wurde 1909 für Lilian und Philipp Schenk von Stauffenberg vom Architekten Aloys Ludwig errichtet. 1927 erwarb es für 155.000 Goldmark der Verlagsbuchhändler Ferdinand Schreiber und die Villa wurde im Stil der "Neuen Sachlichkeit" für die neuen Besitzer und seine Familie umgebaut, um es als Verlagshaus nutzen zu können. Bis zum Umzug in die Möhlstraße im Jahr 1928 hatten die Schreibers in der Pienzenauerstraße 44 im Bogenhauser Herzogpark gewohnt und waren Nachbarn von Ernst "Putzi" Hanfstaengel, dem mit Hitler befreundeten Aktivisten und Politiker. Seit 1928 lebte im Dachgeschoss der Villa in der Möhlstraße 34 auch der Religionsphilosoph Theodor Haecker, einer der radikalsten Kulturkritiker während der Zeit des "Dritten Reichs" und Hauptschriftleiter des Schreiberverlags. Eine Treppe verband die Wohnung, in der auch seine Frau mit den drei Kindern eingezogen war, mit seinem Verlagsbüro, das Tür an Tür zu dem seines Freundes Ferdinand Schreiber lag.

 

Am 9. Juni 1944 erlitt die Villa einen Totalbombenschaden. Durch Innenausbau der Villa wurde in der Nachkriegszeit dringend benötigter Wohnraum geschaffen und seit 1946 ist die Villa ein reines Wohnhaus mit mehreren Mietsparteien.

 

 

 

 

Architektonisch wurden die Fassaden der großzügigen, und in ihrem sechsseitigen Grundriss ungewöhnlichen Villa, im Laufe der Zeit weiter "vereinfacht", so verschwand unter anderem das mit Ziegel überdachte, säulenbestückte Eingangsportal und die mehrfach unterteilten Rundbogenfenster darüber wurden durch schlichtere, rechteckige Exemplare ersetzt. Trotzdem ist die Villa immer noch beeindruckend in ihren Proportionen, mit denen sie sich an die Ecklage anpasst. Überhaupt kann man sich an dieser Stelle noch heute gut vorstellen, wie imposant dieser Ort noch kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gewirkt haben muss, als noch sowohl die Villa Düll und die Villa Willstätter als jeweils weitere prägnante, zur Stauffenberg-Villa bestens korrespondierende Eckpunkte, die Kreuzung Möhl- / Höchlstraße quasi zu einem großzügigen "Platz" adelten. Eine städteplanerisch ähnlich gelungene Ausgestaltung bot sicher auch in der Zeit um die Jahrhundertwende die weiter südlich liegende Straßenkreuzung von Möhl- und Siebertstraße, mit ihrer Eckvilla von Alphons Hering (Möhlstraße 20), dem mit Jugendstildekor prächtig verziertem Wohnhaus Siebertstraße 5 (um 1902) und der barocksisierenden Villa Siebertstraße 7, mit der überdimensionalen Vase an der Ecke ihrer Gartenaußenmauer (errichtet um 1900).

 

 

 

 

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Textquelle: Karl, Scola: "Die Möhlstraße", 1998.

Fotos:

oben: die Villa Stauffenberg / Schreiber mit vereinfachter Fassade 2008 © dietlind pedarnig.

Mitte: die Nordwestseite des Geschäftshauses des Schreiber-Verlags nach dem Totalumbau 1927 und vor dem Bombenschaden am 9.6.1944; Quelle: Buchscan s.o.

unten: Frühlingsimpression an der Kreuzung Möhl-/Höchlstraße 2008 © dietlind pedarnig.