Die Versicherungsanstalt konnte ihre neue »Geschäftslokalität« im Juni 1906 beziehen. Aus den zunächst geschätzten Baukosten von ursprünglich 865000 Mark wurden schließlich stattliche 1 362 250 Mark, plus 21 000 Mark für die Innenausstattung und etwas über 51 000 Mark für die Einrichtung einer »Quittungskarten-Registratur«. Auf 8686 Quadratmetern Gesamtfläche befanden sich 101 Büros, mit genügend Platz für die beständig zunehmende Anzahl des Verwaltungspersonals.

 

 

 

 

Das im neubarocken Stil erbaute Gebäude mit seinem markanten Portal fand weit über die Grenzen Münchens hinaus Anerkennung, besonders weil alle Diensträume durch ihre Anordnung und den Innenanstrich licht und hell waren, aber auch die für das Personal eingebauten Wannen- und Brausebäder sowie eine große Frühstückshalle waren für die damalige Zeit spektakulär. Die Skulpturen am Hauptportal schuf  der Bildhauer Julius Seidler, der eng mit Heilmann & Littmann zusammenarbeitete und auch den Fassadenschmuck am Warenhaus Tietz sowie am Gebäude der »Münchner Neuesten Nachrichten« (Sendlinger Straße) geschaffen hatte. Das Gemälde im Treppenhaus stammte von Beppo Steinmetz.

 

Das Gebäude überstand die Bomben des Zweiten Weltkriegs unbeschadet und 1952 wurde ein Neubau in Stahlbeton-Skelettbauweise ausgeführt (Baufirmen: Heilmann & Littmann, Bauhütte München Südbayern und Brannekämper). Die Schwierigkeit lag darin, den Altbau aus dem Jahr 1904 mit dem neuen Gebäude zusammenzuführen, da beide Bauanlagen unter einem fortlaufenden Hauptgesims und einem Dach zusammengefasst werden mussten. Die Nutzfläche wurde mit dem Neubau um nochmals 6340 Quadratmeter erhöht, dennoch reichte die Raumkapazität schon bald nicht mehr aus und in den 1970er-Jahren übersiedelte die Landesversicherungsanstalt endgültig von Bogenhausen nach Neuperlach, in ein neues Verwaltungsgebäude in der Thomas-Dehler-Straße 3. Heute sind in dem Gebäudekomplex wieder Mitarbeiter der LVA sowie ein Bankhaus, eine Praxis und verschiedene Firmen und Anwaltskanzleien untergebracht.

 

 

 

 

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Textquelle: Dorle Gribl, 100 Jahre Rentenversicherung in der Holbeinstraße, hrsg. von der Landesversicherungsanstalt Oberbayern.

Abbildung von oben nach unten: