Villa Hirmer

Möhlstraße 9

 

Eine besonders "spektakuläre" Villa errichtete Anton Bachmann 1906 bis 1909 für den damaligen Grundstücksbesitzer der Möhlstraße 9, den Verleger Max Hirmer. Die gesamte Fassade ist in "trompe d’oil"-Manier mit illusionistischer Wandmalerei im Stil der "Deutschen Renaissance" ausgeschmückt. Die allein für den Grundstückserwerb aufzubringende stattliche Summe von 70.000 Goldmark steht für die finanzielle Leistungsfähigkeit des Bauherrn, die typisch ist für die Villenbesitzer in diesem Quartier zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Hirmer hatte sich zunächst nach seinem Zuzug von Straubing nach München 1904 die Villa in der Möhlstraße 41 gekauft, diese aber, wohl weil sie ihm nicht repräsentabel genug war, wieder veräußert. Das Geld von diesem Verkauf steckte er dann in den Neubau an der Möhlstraße 9. Ende Dezember 1906 zog Hirmer bereits mit seiner Familie in das neue Prunkstück ein, aber noch 1908 konnten sie nur den ersten Stock des Gebäudes bewohnen, da es immer noch nicht fertig gestellt war. Hirmer beklagte den "ganz unglücklichen und ungeschickten Grundriss" seiner Wohnung, die zwar sehr große, aber leider zu wenige Räume aufwies. So sei er, da er keine Garderobe habe, gezwungen, die Kleiderschränke in der Dienstbotenkammer unterzubringen!

 

Hirmer verkaute die Villa 1918 für 250.000 Goldmark an Oskar Schlegelmilch. Drei Jahre später erwarb der jüdische Filmkaufmann und Mitbegründer der Filmstudios Geiselgasteig Karl Wiesel das Anwesen. Wiesel emigrierte 1938 in die Schweiz und starb bei einer Überseefahrt. 1942 wurde die Villa Wiesels von den Nationalsozialisten zwangsenteignet und zu eine der sogenannten "Judenvillen" in der Möhlstraße. 

 

Nachdem das Anwesen 1952 in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland übergegangen war, erhielten es die Erben von Karl Wiesel 1953 wieder zurück. 1961 bis 1976 war die Villa dann im Besitz von Max Diamand bzw. dessen Erben. 2007 wurde die Villa komplett saniert und steht zur Vermietung von mehreren Büro- und Wohnflächen.

 

 

 

 

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Textquellen:  

Karl, Scola: "Die Möhlstraße", 2002

Dorle Gribl: Prominenz in Bogenhausen, München 2009.

Fotos: © dietlind pedarnig (2007)