
ehemalige Becker-Villa
Maria-Theresia-Straße 26
Von der ehemaligen Wohn- und Ateliervilla des jüdischen Landschaftsmalers Prof. Benno Becker - der Leitfigur der Münchner Secession - ist nur die Gartenmauer mit Pergolapfeilern und eine Brunnennische im Osten erhalten.
Stilistisch und programmatisch ist die 1903 gebaute Villa eng verwandt mit der Villa des Künstlerkollegen Franz von Stuck, zwischen "hoffähigem Anspruch und reformerischer Sachlichkeit schwankend". Aus Repräsentationsgründen wurde die Straßenfassade in einem schlichten, aber äußerst monumentalen Klassizismus gehalten, die Gartenfront hingegen wäre ein Glanzlicht der modernen Architektur im heutigen Sinne.

Gartenseite der Villa
Die Pläne zur Villa stammten aus dem Büro des Architekten Martin Dülfer, das damals als modernstes in München galt. Die Pläne aber sind von Dülfers Büroleiter Paul Ludwig Troost geschaffen - die markante Handschrift lässt keinen Zweifel daran: kannelierte Pfeiler, Akzentuierung des Eingangs durch einen Pfeilerportikus, der im Obergeschoss einen Balkon trägt, Gliederung der Fassade durch Wandvorsprünge, die die Fenster einrahmen. Der Grundriss war merkwürdig verschachtelt und keineswegs symmetrisch angelegt, wie die Fassadengestaltung vermuten lässt. Nach dem riesigen Atelier im ersten Stock war das Musizierzimmer im Erdgeschoss mit etwa 100 Quadratmetern der größte Raum im Haus.
Nach dem Tod Beckers 1938 wurde die Villa enteignet und die Witwe Beckers musste ihren Wohnsitz verlassen. Als neuer Eigentümer firmierte Martin Bormann, der "Reichsleiter und Stabsleiter des Stallverwalters des Führers in Pullach", mit seiner großen Familie. Der Einbau einer Garage lief 1940 über das "Atelier Troost", das von der Witwe Gerdi Troost weitergeleitet wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg (die Villa hatte ihn fast unbeschädigt überstanden!) wurde der Besitz an die Tochter Beckers, die Tänzerin Johanna Becker, im Rahmen eines Wiedergutmachungsverfahrens, zurückerstattet. Viele Konzerte fanden hier in der Nachkriegszeit statt, da für diesen Zweck in München nicht mehr genügend intakte Säle zur Verfügung standen. Die Eigentümerin wollte den immerhin 100 Personen umfassenden Konzertsaal sogar vergrößern lassen. Ob dies umgesetzt wurde, kann nicht mehr geklärt werden. In jedem Fall wurde das Anwesen nach 1960 verkauft und zum Spekulationsobjekt. 1969 kam das Aus für die Becker-Villa: sie wurde abgerissen und durch einen monströsen neuen Zweckbau ersetzt. Die neuen Besitzer versuchten auch das Nachbaranwesen Nr. 27 zu erwerben und ebenso "gewinnmaximierend" zu verbauen.
Zwei Löwenfiguren stehen heute noch als traurige Reminiszenz des Eingangsportals der Becker-Villa vor dem heutigen Neubau.


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Textquellen:
Willibald Karl (Hrsg.): "Bogenhausen. Vom bäuerlichen Pfarrdorf zum noblen Stadtteil", Buchendorfer Verlag 1992
Alexander Krause: "Arcisstraße 12". Palais Pringsheim - Führerbau - Amerika Haus - Hochschule für Musik und Theater", München 2005
Fotos von oben nach unten:
Vorderseite der Becker-Villa zur Maria-Theresia-Straße hin 1965
Gartenfassade der Becker-Villa um 1905
rechts im Bild der Neubau Maria-Theresia-Straße Nr. 26, links die Bechtolsheim-Villa, Maria-Theresia-Straße Nr. 27, © dietlind pedarnig (2007)
einer der beiden Löwen, als trauriger Überrest der ehemaligen Becker-Villa © dietlind pedarnig (2007)