Josef Selmayr (sen.) (18141874)

 

Josef Selmayr war Bauer am sogenannten Hanslmarterhof, einem stattlichen Anwesen in Bogenhausen, zu einem ganzen Hoffuß, den er 1850 nach Auszahlung seiner Geschwister von den Eltern übernommen hatte. Hier wurde auch bis 1875 Schulunterricht erteilt. Außerdem war er Besitzer einer Ziegelei, wie die meisten Bauern am Ort, die den Lehm auf ihren Feldern zu Steinen brannten und nach München verkauften. Die Selmayrs gehörten also zu den alteingesessenen Familien Bogenhausens und dementsprechend hatte man den "Hanselmarter" auch in das Amt des Gemeindevorstehers von Bogenhausen in den Jahren ca. 1860 bis 1869 gewählt. Während seiner Amtszeit stellten die Bogenhauser 1865 den Antrag auf Eingemeindung ihres Ortes nach München, was aber abgelehnt wurde. Erst 27 Jahre später, am 1. Januar 1892, erfolgte schließlich der damals gewünschte Zusammenschluss. Da war schon sein Sohn Bürgermeister der Gemeinde ...

 

 

 

 

Josef Selmayr jr. (18501905), Kommerzienrat, Gutsbesitzer und Ziegeleibesitzer, war bis zur Eingemeindung Bogenhausens in die Landeshauptstadt München im Jahr 1892 Bürgermeister der Gemeinde Bogenhausen. Er war außerdem Landrat von Oberbayern und Gemeindebevollmächtigter der Haupt- und Residenzstadt München. Der Bogenhauser Ziegeleibesitz der Familie machte die schon reichen Bauern- und Grundbesitzer zu angesehenen "Loambaronen" und so konnte Selmayr jr. an Stelle des alten Hanselmarterhofes im Jahr 1898 eine prächtige. repräsentative Villa mit Parkanlage errichten ("Bürgermeistervilla"). Drei Jahre später baute sich Selmayr auch noch eine Villa in der Möhlstraße 12 als Wohnhaus. Er verkaufte diese jedoch wenig später wieder, um 1898 Schloss Erching (Landkreis Freising) zu erwerben. Die Selmayrs leben in der fünften Generation noch heute dort.

 

 

 

 

Das Foto oben mit dem Ausschnitt einer Bogenhauser Jagdgesellschaft im Jahr 1904 an der Denninger Straße zeigt den für die Jahrhundertwende so charakteristischen Lebensstil der "Loambarone" im Münchner Nordosten. Man zeigte großbürgerlich-stolz was man hat und genoss das Leben. Gerne trafen sich Selmayr und seine Freunde, Gemeindeausschussmitglied Franz Kaffl (Dritter von links) und der Gastwirt Lorenz Betz, mit der übrigen Bogenhauser Prominenz in der Betz'schen Gastwirtschaft, wo sich die spöttisch als "Heiligen drei Könige von Bogenhausen" titulierten Ziegeleibesitzer in der prächtig ausgemalten "Millionärs-Trinkstube" zusammenfanden.

 

 

 

Familiengrab der Selmayrs am Friedhof in St. Georg 

 

 

 

 

 

 

Schlossgut Erching, 2008

 

 

 

 

Textquelle:

Selmayr, Gerhard : Schwierige Annäherungen, in: Lesebuch zur Geschichte des Münchner Alltags. Geschichtswettbewerb 1989/90, herausgegeben von der Landeshauptstadt München, München 1993, S. 190f.

 

Fotos von oben nach unten: