Joseph Höchl (17771838)

 

Joseph (Schreibweise auch Josef) Höchl (Högl), Sohn des Maurermeisters Martin Höchl aus Neumarkt an der Rott im Landgericht Mühldorf, kam kaum 20-jährig als Maurergeselle nach München. Er arbeitete zunächst bei Baumeister Schedl und dem bürgerlichen Stadtmaurermeister Matthias Widmann (17491825) als Palier. Die Heirat mit der Stieftochter seines Vorgesetzten, Therese Trisberger (17751806) brachte ihm die Meistergerechtsamkeit und 1804 zugleich das Münchner Bürgerrecht. Das Bürgerrecht wurde im 19. Jahrhundert nur bei einem ausreichenden Vermögen verliehen, denn Stadt oder Gemeinde mussten im Falle der Verarmung die Versorgung tragen.

 

Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau heiratete Höchl im Jahr 1807 die Tochter seine ehemaligen Meisters, Josepha Widmann (17861877). Mit ihr erwarb er im Jahr 1808 vom »Finanzreferendär« Hubertus von Steiner die ehemals kurfürstliche Ziegelei am Priel mit großflächigen Lehmvorräten und bald darauf eine zweite Ziegelei in Bogenhausen. Die Ankäufe bildeten die Grundlage des künftigen Höchl'schen Ziegel-Imperiums und eines enormen Vermögens, das die florierende Baukonjunktur Münchens so beim Bau der Schönfeld- und Max-Vorstadt einbrachte. Zusammen mit seinem Schwager Franz Xaver Widmann (17921859), seinem Schwiegersohn Carl Deiglmair (17981859) und dem Baurat, Eisenbahn- und Tourismuspionier Johann Ulrich Himbsel (17871860) erreichte Joseph Höchl in der Ära der Könige Maximilian I. und Ludwig I. nahezu die Bedeutung der Künstler und Architekten Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner als Erbauer des Münchner »Isar-Athens«. Als Baumeister und Maurermeister war Höchl  die Ausführung der Baumaßnahmen überantwortet, als Ziegeleibesitzer lieferte er den dazu nötigen Baustoff.

 

Im Jahr 1831 beschäftigte er 16 Paliere und 234 Gesellen und war damit der größte Bauunternehmer Münchens.  Bis zu seinem Tod 1838 sollte Joseph Höchl sein  Ziegeleianwesen um das Vierfache vergrößern. Auch die aufstrebende Familie Deiglmair besaß eine eigene Ziegelei in Steinhausen, fünf Paliere und 56 Gesellen arbeiteten im Unternehmen. Einer der Höchl'schen Paliere, Jordan Maurer, der zum Bau der Mariahilf-Kirche die ersten Reliefziegel hergestellt hatte, erwarb im Jahr 1834 einen Maurerbetrieb mit eigener Ziegelei in Steinhausen (Haus Nr. 2), den er bis 1854 leitete. Er übernahm die Maurerarbeiten von Benediktiner-Kloster und Kirche St. Bonifaz.

 

 

Höchl-Haus, Rosental 15

 

 

Die Familie Höchl mit den Töchtern Therese, Anna, Josepha und dem Sohn Anton bewohnte in der Münchner Altstadt ein repräsentatives Haus im Rosental 15. Joseph Höchl war ein renommierter Baumeister, der zahlreiche öffentliche und private Bauten ausführte: So ließ er im Auftrag König Ludwig I. die Salinenverwaltung und die Mariahilf-Kirche in der Au errichten. Auch zahlreiche Bürgerhäuser, erbaut mit Ziegeln aus seinen Ziegeleien, gehörten zu seinem Aufgabenbereich. Einige von ihnen haben die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überlebt: Am Einlaß 4/5 (errichtet 1823), Am Angertor 1 (1827), Christophstraße 2, 4 und 7 (18271829), Häusergruppe Fürstenstraße 915 (1843), Eckbau Karlstraße 21 / Meiserstraße (1829), Müllerstraße 24 und 40, optisches Institut (1832), Westenriederstraße 5 (1824).

 

Im Münchner Nordosten ist das von Joseph Höchl selbst errichtete Wohnhaus der Familie am Priel (von seinem Sohn Anton 1852 zu einer hübschen Villa dem sogenannten Höchl-Schlössl umgebaut) noch heute erhalten, ebenso wie das von ihm errichtete Wohnhaus vor den Toren der Stadt München, in der Spervogelstraße 12, im Stadtteil St. Emmeram in Oberföhring. Auch für die Pläne zum Bau des ersten Schulgebäudes für Oberföhring in der Muspillistraße 27 zeichnete er verantwortlich. Joseph Höchl ist am Münchner Südfriedhof begraben.

 

Seit 1897 ist nach Joseph Höchl die Höchlstraße in Bogenhausen benannt.

 

 

 

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Abbildungen:

oben: Grab von Josef (sic!) Höchl auf dem Alten Südlichen Friedhof in München © privat

unten: Rückseite des Höchl-Hauses im Rosental 15 vor dem Abbruch 1909. An seiner Stelle wurde das Kaufhaus Uhlfelder (Hs.-Nr. 13, 15, 17) errichtet. Fotografie aus dem Jahr 1909, Sammlung Karl Valentin. Quelle: Stadtarchiv München, Sign.: DE-1992-FS-NL-KV-0196.

URL: http://stadtarchiv.muenchen.de/scopeQuery/detail.aspx?ID=411049

 

Literatur:

Lehmziegelstadt. Der Rohstoff Lehm in der Münchner Stadtgeschichte, hrsg. v. Erich Kasberger und Winfried Eckhardt, München 2008.