
Anton Höchl (1820 - 1897)
Anton Höchl war der Sohn des Ziegeleibesitzers Josef Höchl und sollte zunächst in die Fußstapfen seines Vaters treten, der in München ein bekannter Maurermeister war. Doch nach dessen Tod wandte er sich lieber der Musik und der Malerei zu. Anton Höchl ließ sich 1852 den Landsitz der Familie „Am Priel“, zu einer klassizistischen Villa umbauen, dem später sogenannten Höchl-Schlössl. 1874 beauftrage er seinen Bildhauerfreund Heinrich Natter mit der Herstellung eines Standbildes des Göttervaters Wotan auf seinem Grundstück, im Odinshain, der heute, ebenso wie das Schlösschen selbst, die Zeiten bis heute überdauert hat.
Mit Spitzweg, Schleich d. Ä. und Morgenstern d. Ä. unternahm der leidenschaftliche Architekturmaler (Ausbildung bei Michael Neher ab 1841) ausgedehnte Malreisen. Er war Schriftsteller und Theaterliebhaber. Zahlreiche Werke seiner Zeitgenossen fanden sich in seiner umfangreichen Gemäldesammlung, die er mit Unterstützung seiner Frau Antonia anlegte. Einige mittellose Maler konnten sich durch seine Käufe und Zuwendungen über Wasser halten. Sein Schlössl war auch Treffpunkt von Musikern aus der Stadt. Anton Höchl pflegte die Hausmusik, bei der er selbst Cello, Bratsche oder Flöte spielte. In der „Allgemeinen deutschen Biographie“ von 1905 ist zu lesen, dass Höchl einmal eine „glänzende hausmusikalische Soirée veranstaltete, die sich zur allgemeinen Freude in eine Matinée extemporsiert, so daß der Herzog erst am Morgen den fröhlichen Kreis verließ.“ Es handelt sich dabei um Herzog Max in Bayern, Vater der späteren Kaiserin Elisabeth von Österreich, der ein großer Förderer der Volksmusik gewesen ist, und wegen seiner Zitherleidenschaft auch "Zither-Maxl" genannt wurde. Er war quasi ein direkter Nachbar Höchls, da er Besitzer der Gartenanlagen im "unteren" Bogenhausen und am Priel war, die später nach ihm benannt werden sollte: dem Herzogpark.
Höchl war Ehrenmitglied des Historischen Vereins Oberbayern und Mitglied der Münchner Kunstausstellungen sowie eifriger Besucher der Ausstellungen im Münchner Glaspalast. In seinem Tagebuch verzeichnete er viele Besuche von Künstlern im gastlichen Haus am Priel wie Anton Bauer, Historienmaler der Fresken im Münchner Nationalmuseum, Wilhelm Gail, von dem die Historienfresken der Hofgartenarkaden oder Franz Gedon, Bildhauer und Architekt der Fassade der Schackgalerie. Der Sammelleidenschaft Höchls verdanken wir auch eine Rarität von besonderem Wert: in zwei vollgefüllten Alben legte er eine Photographiegalerie von Schauspielern, Intendanten, Opernsängern, Dirigenten, Malern des 19. Jahrhunderts und von Mitgliedern des Historischen Vereins Oberbayern an. (Münchner Stadtmuseum Inv. Nr. X h/20a-k). Neben seinem Kunstinteresse betrieb Höchl die große Ziegelei am Priel. Täglich „inspicierte er seine Leute“ im Betrieb und in den Lehmgruben zu Pferd oder in einem „Landwägelchen“, mit dem er auch nach München fuhr, denn das Höchlanwesen war im 19. Jahrhundert weit ab gelegen von der Stadt, ein Landgut zwischen Äckern und Wiesen.
Von Anton Höchl stammen 261 Aquarelle, 41 Ölbilder und 9 Tusche- bzw. Sepiazeichnungen, die Kreisheimatpfleger Fritz Lutz als zu "unrecht in Vergessenheit geraten" bezeichnet. Zwar würden sie nicht an die künstlerische Gestaltungskraft eines Nehers, Spitzwegs oder Schleichs d.Ä., Lebschées und Bürkels heranreichen, aber man könne Höchl dennoch als liebenswerten Kleinmeister der Architekturmalerei Münchens und Bayerns einstufen. In der unten abgegebenen Literaturquelle sind von Anton Höchl abgebildet:
"Rundturm mit dem alten Kamerlwirtshaus in München", Ölgemälde 1842.
"Das Ländtor in Landshut", Ölgemälde 1848.
"Altes Rathaus in München", Aquarell 1858.
"Nordwest-Turm (Observatorium) am Jesuiten-Kolleg in München, Aquarell 1877.
"Wirtschaft Neuberghausen in Bogenhausen", Aquarell 1863.
"Eremitorium St. Emmeram bei Oberföhring", Ölkopie 1852.
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Literatur:
Fritz Lutz, "Ein Münchner Architekturmaler und Mäzen: Anton Höchl (1818 - 1897), Ehrenmitglied des Historischen Vereins von Oberbayern", in: Oberbayerisches Archiv, 112. Band,, München 1988.
Abbildung:
Anonymes Porträt-Aquarell, etwa 1840er Jahre, Graphiksammlung Stadtmuseum München, Nr. VI f/268