Nach einem ersten verbürgten Trabreiten auf der Theresienwiese 1847 entstanden in München mehrere kleine Trabersportvereine in Schwabing, Haidhausen, Sendling und Laim, die auch außerhalb der Wiesnzeit Rennen veranstalteten, so zum Beispiel auf der Leopold-/Ludwigstraße oder dem Oberwiesenfeld (heute Olympiapark). Später nutzte man mit den Galoppern eine Bahn in Friedenheim, nahe der Fürstenrieder Straße. Ende des 19. Jahrhunderts regte der Gastwirt Franz Burgauer (nach ihm wurde 1955 die Burgauerstraße in Daglfing benannt) an, diese kleinen Vereine zusammenzufassen, eine eigene Rennbahn einzurichten und den Trabersport nach einem geordneten System abzuhalten. Zusammen mit 28 Interessierten gründete er zurächst eine Terraingesellschaft, die für 20.000 Mark den Großteil der Fläche in der Nähe der damaligen Bahnstation Zamdorf erwerben konnte, auf dem noch heute die Trabrennbahn Daglfing steht. Am 21. Juni 1902 gründete Burgauer den »Münchner Trabrenn- und Zuchtverein« (MTZV) mit dem ersten Vorsitzenden Fritz Roth. Noch im Gründungsjahr konnten unglaubliche 300 Mitglieder verzeichnen werden.

 

Für die Errichtung der Mitgliedertribüne und weitere für das Abhalten von Rennen nötiger architektonischer Element wurde Baumeister Xaver Heininger geholt (er hatte zur damaligen Zeit für mehrere große Mietshäuser vor allem in der Schwanthalerhöhe und in Neuhausen verantwortlich gezeichnet). Architekturpläne zur neuen Rennbahn München-Zamdorf (später erst München-Daglfing) hier.

 

Bereits drei Monate nach Vereinsgründung fand in Anwesenheit der Kronprinzen Ludwig (des späteren Königs Ludwig III.), und Franz von Bayern, am Kirchweihtag, 19. Oktober 1902, bei miserablem Wetter der Eröffnungsrenntag statt, dem am 26. Oktober ein weiteres Rennen folgte, diesmal in Anwesenheit von Prinz Alfons von Bayern und dem Offizierskorps der »königlich bayerischen Equitation« im Gefolge. Den Eröffnungspreis gewann gleich ein Außenseiter, Beatus in Rekordzeit von 1:50,6 und bescherte seinen wenigen Anhängern eine stattliche Quote von 246:10. Gewinner der beiden folgenden Rennen war das MTZV-Mitglied Johann Kaupper, Gestütsherr des »Lindenhofs« (Maläßkircherstraße 1, im alten Dorfkern Daglfings), der ältesten bayerischen Traberzuchtstätte.

 

 

 

 

Der 1. Vorstand des Trabrennvereins (rechts neben Ludwig)  Fritz Roth begrüßt Ihre Königliche Hoheit,

Prinz Ludwig, den späteren König Ludwig III. von Bayern. (Dritter von links), bei der Bahneröffnung 1902

neben ihm  rechts steht der 3. Vorstand Franz Burgauer

 

 

 

 

 

 

1903 wurde das erste »Herrenfahren« und zur Unterhaltung des Publikums ein Droschkenfahren sowie das erste Amateur- und ein Münchener Fiakerfahren (»zweispännig im vorschriftsmäßigen Phaeton mit Nummer zu fahren«) neu eingeführt und zum ersten Male das »Bayerische Zuchtrennen« über eine Länge von 2200 Meter entschieden, das bis 1933 fester Bestandteil des Daglfinger Programm werden sollte. Auch das bald verhängte öffentliche Wettverbot für Nichtvereinsmitglieder konnte – wie schon 1881 in Preußen –  nicht lange aufrecht erhalten werden und das Schwarzwetten wurde auch durch eilig errichtete Holzzäune vor den Kassenschaltern nicht verhindert.

 

 

 

1903

 

 

 

 

 

In den ersten Jahren gab es bedeutend weniger Renntage als heute (1903 nur acht Rennen). Nach der Eröffnung des Daglfinger Bahnanschlusses 1909 wurde die Rennbahn zum beliebten Ausflugsziel der Münchner und der MTZV wurde zum wichtigsten Steuerzahler der bis 1930 selbstständigen Gemeinde Daglfing. Im gleichen Jahr baute der Verein auch eine neue Tribüne für 1000 Zuschauer (54 Meter Länge und 14 Meter Tiefe mit Hofloge, Veranda und Restaurationsbetrieb samt Musikpavillon und Gabentempel) und die neue Anlage entwickelte sich zu einem beliebten Ziel vor den Toren der Stadt. Für die Münchner waren Daglfing und die Trabrennbahn bald ein fester Begriff.

 

 

 

um 1915

 

 

Und Daglfing expandierte in den Vorkiegsjahren weiter: 54.000 Besucher sahen 1911 an 17 Renntagen 115 Rennen mit einer Preisgeldausschüttung von 208.000 Mark, dass Totalisatorgebäude musste vergrößert werden, die Restauration erhielt schützende Glaswände, vier Sulkyremisen wurden gebaut und in Zamdorf eine Deckstation für 54 Stuten errichtet. Wieder war es Franz Burgauer, der nach mehreren Todesfällen in den Vorstandsreihen des Vereins, dessen Führung übernahm und durch die schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahre manövrierte. Mitten im Krieg – 1916 – startete man in Daglfing das 1000. Rennen, 1918 zählte man nur noch drei Renntage.

 

 

>> Trabrennbahn Daglfing 1934 bis 1945

>> Trabrennbahn Daglfing ab 1945

 

 

 

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