Rochus-Dedler-Weg

 

Der kleine, zur Isar nach St. Emmeram hinunterführende Weg, wurde nach dem Oberammergauer Komponisten Rochus Dedler (1779 - 1822) benannt. Seit mehr als 180 Jahren verwenden die Oberammergauer zu ihren Passionsspielen die Musik von Dedler, der seine Lehrjahre als Musiker am Augustinum in München und im Kloster Rottenbuch absolvierte. Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens verbrachte er in Oberammergau als Lehrer, Kirchenmusiker und Komponist, als der er zur regionalen Berühmtheit avancierte. Begraben ist er am nahe des nach ihm benannten Wegs liegenden Friedhofs von St. Lorenz, zusammen mit seiner Frau Barbara.

 

Geht man den Rochus-Dedler-Weg nach St. Emmeram hinunter, so kommt man rechterhand an einem Grenzstein vorbei. Oberföhring war bis zur Säkularisation im Jahre 1802 Grenzort zwischen dem Herzogtum Bayern und dem Bistum Freising. Die Vermarkung zwischen Freising und dem Bayerischen Gerichten Wolfratshausen und Erding wurde um 1615 durchgeführt. Zur Markierung der Grenze wurden ca. 45 Grenzsteine, davon fast alle verloren gegangen sind, gesetzt. Um 1930 waren nicht mehr als die Hälfte der Steine vorhanden. Der Grenzstein unterhalb des Pfarrhofes von St. Lorenz stammte aus der Zeit von 1623 und war der einzige erhaltene im Münchner Stadtgebiet.

 

Es gab Geleitsmarksteine (bezeichneten die Geleitsgrenze, bis dahin erstreckte sich das Geleit), Auslieferungsmarksteine (Auslieferung von Gefangenen an das Hohe Gericht, durch den Buchstaben L gekennzeichnet, lagen meist abseits an Nebenwegen) und die Wassergrenzsäule auf beiden Ufern der Isar, die auch das Fischrecht anzeigten.

 

Anfang Juli 1985 schrieb die Münchner Presse:

 

"Fleißige Männer klauten Grenzstein.

Neugierige beobachteten vor einer Woche (am 5. Juli 1985 d.V.) zwei fleißige Männer, die einen ein Meter langen, zentnerschweren Grenzstein beim Pfarramt St. Lorenz in Oberföhring ausgruben und abtransportierten. Was die Zuschauer nicht ahnten: Es waren Diebe. Der Stein grenzte im Mittelalter das Herzogtum Bayern gegen das kirchliche Hochstift Freising ab. In dem Stein sind eingemeißelt eine Krone und H.B. für das Herzogtum Bayern."

 

Offenbar vom schlechten Gewissen gedrängt, meldeten sich die Gauner zehn Tage nach dem Diebstahl anonym beim Pfarramt St. Lorenz. Sie gaben bekannt, dass der Stein unter der Leinthalerbrücke zu finden sei. Tatsächlich fand man ihn dort unversehrt am Isarufer. Er wurde in den Keller des Pfarrhofes gebracht. Heute befindet sich der Oberföhringer Grenzstein im Münchner Stadtmuseum, aufgestellt als Ergänzung zu den Burgfriedenssäulen. Daher kann man heute nur noch eine Nachbildung des alten Grenzsteins besichtigen.

 

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Literatur: Karin Bernst, "Ein Spaziergang durch den Münchner Nordosten", Kalender 2003.

Foto: Kopie eines Grenzsteins am Rochus-Dedler-Weg, © dietlind pedarnig, 2008.