ehemalige Gaststätte "Neuberghausen"

Neuberghauser Straße 11

 

In unmittelbarer Nähe des Bogenhauser Dorfkerns wurde im 18. Jahrhundert ein adeliger Ansitz, das Schloss Neuberghausen, errichtet. Zuletzt im Besitz der bayerischen Staatsminister Hompesch bzw. Montgelas, beherbergte es seit 1827 die florierende Schankwirtschaft "Neuberghausen", die Heinrich Heine schwärmerisch in seinen "Reisebildern" 1831 beschrieb. 1861 wurde das Gebäude komplett abgerissen und schon ein Jahr zuvor die "Schankgerechtsame" - also die Erlaubnis zur Führung eine Gastwirtschaft - auf einen unmittelbar neben der Kirche St. Georg liegenden Bauernhof ("Rappelhof" bzw. "beim Halbinger, Bogenhausen Haus Nr. 6) übertragen. Dieser mächtige Hof war mit 100 Tagwerk Wirtschaftsfläche eines der größten Bauernanwesen des Ortes.

 

 

Lageplan Bogenhausen, ca. 1840

 

 

Nichtsdestotrotz wurde das Gebäude in den 1860er Jahren abgerissen und auf dem Grundstück eine neue Großgaststätte der Aktienbrauerei zum Löwenbräu München mit dem Namen "Gasthaus Neuberghausen" errichtet. Ein Bauplan aus dem Jahr 1905 (eingereicht beim Bauamt wegen der Erweiterung des Gebäudes um Aborte) ist der einzig erhaltene Plan der zweigeschossigen Gaststätte und zeigt ihre räumliche Aufteilung mit Saal, Wirtschaftsküche, Gastlokal und Nebenräumen im Erdgeschoss. Auf dem Lageplan sieht man auch deutlich die Nähe zum Friedhof von St. Georg und den großen Biergarten samt Tanzpavillon.

 

 

 

 

Gasthaus "Neuberghausen", Oktober 1905

 

 

 

 

Aber schon zu Baubeginn der Wirtschaft bedauerte Pfarrer Lampert von St. Georg das sie "zu nahe" der Kirche liege ... Wechselnde Pächter zeugen in der Folge von den Schwierigkeiten, die das Gasthaus immer wieder mit seinem Nachbarn hatte. Die beliebten Musik- und Tanzveranstaltungen, vor allem im Garten auf einem eigenen Tanzboden, wurden wegen der Nähe zu Kirche und Friedhof vom zuständigen Bezirksamt Au schließlich nicht mehr genehmigt, nur sanfte Musik ohne Blech- und Schlaginstrumente war gelegentlich gestattet. Die Brauerei beklagte 1904, dass der Bierkonsum in 20 Jahren auf ein Zehntel zurückgegangen sei. So verkaufte die Brauerei schließlich 1911 das Anwesen an den Maler Friedrich Lauer, der schon ein Jahr später die Gastwirtschaft komplett abreißen und sich stattdessen eine neue mächtige Künstler-Villa an dieser Stelle errichten ließ.

 

Aber noch heute spendet der üppige Baumbestand des damaligen Biergartens Schatten und erinnert an das gesellige Leben an dieser Stelle.

 

 

>> zum Überblick "Gastwirtschaften" im Münchner Nordosten

 

 

 

Abbildungen von oben nach unten: