1812 war der halbe Hof "beim Kögl" mit insgesamt 125 Tagwerk (davon 62 Tagwerk meist Mooswiesen in Ober- und Unterföhring) leibrechtig ein Teil der Hofmark Mörlbach bei Wolfratshausen. Der damalige Hofherr war Thaddäus Kern, der den Hof "beim Liendl" (ehemals Ostpreußenstraße 12) und vermutlich auch den Springerhof (ehemals Ostpreußenstraße 4) besaß.
Sein Sohn Thaddäus Kern übernahm 1864 den Hof und errichtete im Jahre 1876 auf seinem Grund eine Ziegelei, die in diesem Jahr bescheidene 150.000 Ziegel produzierte. In den nächsten Jahren wurde die Anlage um einen Doppelbrennofen, einen Ziegelrundofen und einen Ringofen erweitert – die Ziegelproduktion stieg auf 2,2 Millionen Ziegel jährlich. Damit war die Ziegelei am Köglhof eine der größten in Denning, nur die unmittelbar benachbarte Ziegelei (HsNo. 5, ehemals Denninger Straße 189) produzierte mit 2,5 Millionen Ziegel im Jahr 1898 mehr.
1893 ersetzte Thaddäus das alte Wohnhaus durch ein neues und baute einen dritten Ziegelstadel mit Ringofen. In dieses Haus baute er eine Gaststätte ein, nachdem er die Erlaubnis warme und kalte Speisen, Bier und Schnaps zu verkaufen erhalten hatte. 1897 erbte der Sohn Josef Kern den ansehnlichen Besitz. Obwohl er acht Geschwister ausbezahlen musste, leistete er sich 1899 wieder ein neues Wohnhaus, das heutige, mit der Gaststätte "Alter Kernhof".
1915 wird das Anwesen wie folgt beschrieben: Wohnhaus, Stallung mit Knechtekammer, Hühnerstall, Schupfe, Stadel, Waschhaus, Wagenremise, Holzlege, Schweinestall, Hofraum mit Brunnen und Lagerplatz, Garten mit Sommerhaus. Die zwei Ziegeleien bestanden aus: einem Ziegelofen mit Trockenstadel, einem Ringofen mit fünf Trockenstadel, Kantine, Remise, Trockenplätze und Hofraum mit zwei Brunnen. Nach Ausbeutung der Lehmgründe wurde die Ziegelei des Kernhofs 1920 abgebrochen.
1918 erbte die Witwe Walburga Kern, 1922 die Tochter Maria Kern den Köglhof, der mittlerweile schon den Hausnamen "Kernhof" führte. Maria Kern heiratete zunächst den Pferdehändler Fink, später einen gewissen Schmid, Fuhrunternehmer. Die Gaststätte führt daher in den 1930er Jahren den Namen "Fink".
Gasthof Fink 1931
1925/26 wandelte der Sohn von Josef Kern, Christian, das westlich der Ostpreußenstraße, zwischen Denninger- und Stargarder Straße gelegene Areal in Baugrund um. Hier entstand die Kolonie Denning. Für einen Preis von 20 Goldpfennigen pro Quadratfuß, das waren 1760,80 Goldmark für einen Bauplatz von 0,075 Hektar, verkaufte er die einzelnen Parzellen. Nach der Eingemeindung der Ortschaft Denning 1931 nach München gaben die Eigentümer des Kernhofs fast ihren ganzen Grundbesitz bis auf zwei Tagwerk auf. 1937 wurden dann endgültig alle landwirtschaftlichen Nebengebäude des Kernhofs abgerissen.
»Kernhof«-Bewohner
Im Jahre 1988 stimmte der Bezirksausschuss 29 (Bogenhausen) für den Neubau des "Alten Kernhof", angeblich wegen schadhafter Bausubstanz. Das Anwesen befand sich seit gut zehn Jahre im Eigentum der Ayinger Brauerei, die einen kompletten Neubau nach historischem Vorbild errichten wollte. Spekulationen, dass hier ein Schickimickilokal entstehen soll, trat man entschieden entgegen, doch bis heute ist der Hof "beim Kögl" als letztes Zeugnis des alten Dennings erhalten geblieben. Alle anderen Höfe sind im Laufe der Zeit ein Opfer der Abrissbirne geworden, hauptsächlich wegen der Verlegung der Daglfinger Straße 1979/80.
1988 und 2010 reichte der Eigentümer, die Brauerei Aying, verschiedene Bauvoranfragen mit Plänen für eine Neubebauung ein,
die den Abbruch des Alten Kernhofs vorausgesetzt hätten.
Doch das Gebäude der Traditionsgaststätte blieb vom Abriss verschont und war stets ein beliebtes italienisches Restaurant.
Im Dezember 2023 fand der Kernhof als Baudenkmal Aufnahme in die Bayer. Denkmalliste.
Die Lokalbaukommission München verlängerte daraufhin die jahrelang bestehende Baugenehmigung nicht mehr.
Dagegen klagt jetzt Ayinger (Frühjahr 2024).
Die Brauerei hält aber an den Abriss- und Neubauplänen fest. Dem Wirt wurde zu Ostern gekündigt, da das Gebäude sanierungsbedürftig sei.
Seit 1978 betrieb seine Familie hier ein Pizzeria. Eine Sanierung käme aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage.
Ein Abriss würde das Gesicht Dennings jedoch unwiederbringlich verändern.
Auch das Denkmalnetz Bayern setzt für den Erhalt des ortsbildbestimmenden Gebäudes ein:
Gemeinsam aktiv für Bayerns baukulturelles Erbe | Denkmalnetz Bayern (Externer Link)
Textquellen:
Foto: Scans aus: Dörfer auf dem Ziegelland, hrsg. von Willibald Karl, München 2002.